Auszüge aus Rückführungen

 

 

K (weint): Ich bin in einem Käfig. Ich habe solche Angst. Ich bin ganz schmutzig. Es ist

 

sehr finster. Ich bin noch ganz jung. Vielleicht 20, eine junge Frau.

 

R: Wie ist denn dein Name?

 

K: Taluga. Ich habe schwarze Haut. Die, die mich gefangen haben, sind weiß. Es ist sehr

 

warm. Das ist in Afrika. Die sind mit Schiffen gekommen, ich weiß nicht woher.

 

R: Was ist mit deiner Familie?

 

K: Ich weiß nicht, was die mit ihnen gemacht haben. Sie wurden auch gefangen, aber man

 

hat sie woanders hingebracht. Ich habe solche Angst. Ich weiß nicht, was die mit mir

 

machen.

 

R: Hast du einen Mann?

 

K: Nein, aber ich bin verliebt. Ich weiß auch nicht, was mit ihm passiert ist. Wir wollten

 

heiraten. Ich sehe jetzt eine Wiese. Das ist aber noch, bevor diese weißen Menschen

 

gekommen sind. Da bin ich 18 und mit meinem Freund zusammen. Es ist schön. Wir

 

streicheln uns und erzählen uns Geschichten aus unserem Leben. Ich liebe ihn sehr. Da

 

war ich noch glücklich.

 

Oh - es ist so dunkel hier. Der Käfig steht irgendwo drinnen. Das ist auf einem Schiff.

 

R: Wo bringen sie dich hin?

 

K: Wir fahren aufs Meer hinaus. Sie haben mich dann aus dem Käfig gelassen, aber sie

 

behandeln mich nicht gut. Sie starren mich an und berühren mich ständig. Ich bin eine

 

schöne Frau. Das ist nicht gut. Sie vergewaltigen mich.

 

R: Das ist schrecklich. Bist du noch Jungfrau?

 

K: Nein. Ich habe schon mit meinem Freund geschlafen vorher.

 

R: Und wie gehst du mit diesem schrecklichen Erlebnis um?

 

K: Ich versuche, das nicht so sehr an mich ranzulassen. Das ist schwer. Sie sind grob und

 

bespucken mich dabei. Wir sind sehr lange unterwegs. Ich verliere das Zeitgefühl.

 

Sie bringen mich nach Amerika. Ich werde dort gefesselt und mit den anderen, die sie

 

gefangen haben, vom Schiff gebracht. Es kommen viele Leute. Wir werden als Sklaven

 

verkauft. Ich bin eine der ersten, die verkauft wird.

 

R: Wer kauft dich?

 

K: Das ist ein Mann mit dunklen Haaren und einem Bart. Er ist circa 40 Jahre alt. Ich

 

steige in seine Kutsche und er bringt mich zu seinem Haus.

 

R: Wie geht dieser Mann mit dir um?

 

K: Er ist gut zu mir. Fast wie ein Vater. Er hat auch noch andere Sklaven, aber nicht so

 

viele. Ich bekomme mehrere Aufgaben zugeteilt. Aber seine Frau mag mich nicht so. Ich

 

glaube, sie ist eifersüchtig. Die Ehe zwischen den beiden ist nicht so gut.

 

R: Bleibst du dort in diesem Haus?

 

K: Ja, ich kümmere mich auch um die Kinder. Das mache ich gerne.

 

R: Bekommst du irgendwann auch eigene Kinder?

 

K: Nein. Da verändert sich nicht mehr viel.

 

R: Wie alt wirst du denn in diesem Leben?

 

K: Nicht sehr alt. Es ist ein schöner Tag und die Sonne scheint. Ich bin da gerade im Stall.

 

R: Taluga, bist du krank?

 

K: Nein, alles ist wie immer. Ich versorge die Tiere und fühle mich ganz normal. Meine

 

Herrin kommt plötzlich herein und sie hat ein Messer in der Hand. Irgendwas will sie von

 

mir. Sie redet auf mich ein. Es geht um ihren Sohn, aber ich verstehe nicht alles, was sie

 

sagt. (weint) Erst schlägt sie auf mich ein und dann sticht sie mit dem Messer zu. Drei oder

 

vier Mal, immer wieder in meinen Bauch. Ich weiß doch überhaupt nicht, was passiert ist

 

oder für was sie mir die Schuld gibt.

 

Plötzlich dreht sie sich um und geht. Ich liege am Boden und blute stark. Ich bin

 

schockiert. Ich weiß immer noch nicht, was ich getan habe.

 

Jetzt kommt mein Herr. Er ist traurig, er weint. Er streichelt meinen Kopf und hält mich.

 

Ich will noch nicht gehen!

 

R: Du willst noch nicht sterben? War das nicht ein sehr schweres Leben?

 

K: Ja, aber ich fühle mich noch nicht bereit. Das ging so plötzlich.

 

Aber jetzt wird es leichter. Es tut mir leid, dass ich ihn alleine lassen muss. Er ist so traurig.

 

R: Du meinst deinen Herrn?

 

K: Ja, Herbert. Er hält mich und sagt, dass alles gut ist.

 

R: Hilft dir das, loszulassen?

 

K: Ja. Ich sehe Herbert und er tut mir so leid. Er war wie ein Vater oder ein guter Freund

 

für mich. Jetzt ist er ganz alleine, wenn ich gehe (weint).

 

Ich schwebe jetzt aus dem Stall und lass das alles hinter mir. Da ist ein helles Licht. Ich

 

fliege dort hinein und alles wird ganz hell rund herum. Das ist ein gutes Gefühl.

 

Irgendjemand ist rechts neben mir. Er zieht mich weiter in dieses Licht.

 

(weint jetzt vor Freude) Es ist so wunderschön! Ich sehe jetzt so was wie tanzende Lichter.

 

Sie sind gelb, orange, weiß und grün und sie lachen.

 

R: Wie viele sind es denn?

 

K: Sechs und sie tanzen um mich herum.

 

R: Und dein Begleiter, ist der noch da?

 

K: Ja, er steht neben mir. Das ist mein Geistführer. Es fühlt sich gut an, ihn neben mir zu

 

haben. Ich fühle mich geborgen. (lacht) Irgendwie sieht er aus wie Gandalf aus Herr der

 

Ringe. Langer weißer Bart, freundliches Gesicht. Sein Name ist Arius. Er trägt einen

 

lilafarbenen Umhang und sein Lächeln ist sehr gütig. Ich spüre seine Liebe zu mir und

 

umarme ihn jetzt ganz fest.

 

R: Sagt er auch etwas zu dir?

 

K: Ja, er sagt, dass ich das sehr gut gemacht habe als Taluga. Ich kann stolz auf mich sein.

 

Ich habe aus den Umständen das Beste gemacht und mich nicht aufgegeben. Das war, was

 

ich in diesem Leben lernen wollte. Egal wie schwer es ist, nicht aufzugeben und Stärke zu

 

entwickeln. Taluga war sehr stark.

 

Oh, jetzt kommt eines dieser Lichter zu mir. Das war mein Geliebter, von dem ich getrennt

 

wurde. Er umarmt mich und wir verschmelzen miteinander. Das ist wunderschön! Darf ich

 

das ein wenig im Stillen genießen?

 

R: Sehr gerne, sag mir einfach Bescheid, wenn du bereit bist weiter zu machen.

 

K (nach einer Pause): Sein Name hier ist Tba. Er nennt mich Unima.

 

R: Ist Tba heute auch inkarniert?

 

K: Nein.

 

Jetzt kommen auch die anderen zu mir. Da ist Basnada, sie war meine Oma in meinem

 

jetzigen Leben. Sie ist am weitesten von uns und strahlt am hellsten. Sie war auch der

 

Anker in meiner heutigen Kindheit.

 

Sabine ist auch hier (Freundin aus dem jetzigen Leben). Sie ist die witzigste von uns. Wir

 

inkarnieren auch oft als Schwestern.

 

Und da ist Desiree (ebenso eine Freundin aus dem jetzigen Leben). Sie ist mir am

 

ähnlichsten. Wir spiegeln uns gegenseitig. Sie ist in meinem jetzigen Leben, damit ich mich

 

selbst besser erkennen kann. Da hat sich aber eine Art Konkurrenzkampf zwischen uns

 

entwickelt, der nicht sein sollte.

 

Natascha (eine weitere Freundin, die einen missglückten Selbstmordversuch hinter sich

 

hat) ist auch hier (weint). Sie hinkt uns allen ein wenig hinterher.

 

R: Sprichst du mit ihr über ihren Selbstmordversuch?

 

K: Ja, sie sieht das alles unbekümmert und locker. Sie ist irgendwie wie ein kleines Kind.

 

Drückt sich gerne vor ihren Lektionen. Das war nicht das erste Mal. Sie hat sich schon

 

öfter das Leben genommen. Wir machen uns alle ein wenig Sorgen um sie. Aber wir sind

 

ihr nicht böse oder so. Wenn sie inkarniert, hält sie sich immer für so weit, aber verliert

 

sich in ihren Träumereien.

 

R: Kannst du etwas für sie tun?

 

K: Nein. Sie hat den Lebenswillen schon wieder verloren. Der Selbstmordversuch ist zwar

 

missglückt, aber ihre Seele wird dennoch bald gehen. Ich sehe, dass sie das längst

 

entschieden hat. Das ist schade, ich liebe sie sehr.

 

R: Was ist mit dem letzten Mitglied deiner Gruppe, das dich noch nicht begrüßt hat?

 

K: Ich kenne ihn in diesem Leben nicht.

 

R: O.k., was sind denn so die Qualitäten eurer Seelengruppe, Unima?

 

K: Wir sind sehr unterschiedlich weit entwickelt. Das ist eher selten. Manche entwickeln

 

sich rasend schnell, wie Basnada, manche hinken hinterher und bringen nur wenig weiter,

 

und ich bin irgendwo dazwischen. Basnada hat sogar schon mehr den Status einer

 

Lehrerin angenommen innerhalb der Gruppe.

 

R: Was machst du denn nach dieser ausführlichen Begrüßung?

 

K: Wir fliegen herum, lachen und tanzen. Das macht viel Spaß, und wir besuchen auch

 

gerne Tiere. Die haben einen eigenen Bereich in der Geistigen Welt. Ich habe da einen

 

Freund, es ist ein Hund. Er war mal in einem meiner vergangenen Leben mein Begleiter.

 

Seitdem besuche ich ihn immer wieder.

 

R: Machst du denn auch eine Ausbildung in der Geistigen Welt?

 

K: Ich unterrichte jüngere Seelen. Aber ich stehe da noch ganz am Anfang. Das sind noch

 

sehr junge Seelen, die ich unterrichte. Ich habe da eine Gruppe mit acht Mitgliedern.

 

R: Machst du das ganz alleine?

 

K: Nein, da ist noch ein weiterer Lehrer. Er hilft mir und überwacht das Ganze aus dem

 

Hintergrund. Ich stehe ja noch ganz am Anfang. Es macht mir aber großen Spaß. Sie sind

 

noch sehr ungestüm und müssen erst mal lernen, auf der Erde ihre Emotionen unter

 

Kontrolle zu bringen. Manche sind auch inkarniert heute. Ich sehe jetzt zwei Freunde aus

 

meinem jetzigen Leben.

 

R: Gibt es noch etwas, das du dazu wissen möchtest?

 

K: Nein, ich soll mit Arius zum Hohen Rat gehen. Wir reisen dazu wie durchs Universum.

 

Ich sehe Galaxien, Sterne, andere Planeten. Es ist wunderschön! Und dann sehe ich eine

 

Art weißen Palast. Arius begleitet mich hinein, aber hält sich im Hintergrund.

 

Da sind fünf Wesenheiten, die auf mich warten. Sie tragen weiße Roben und der in der

 

Mitte sitzt etwas höher. Alle tragen auch eine Art Emblem um den Hals, aber ich kann

 

nicht genau erkennen, was darauf ist. Es sieht etwa so aus wie ein Herz.

 

R: Sind das immer dieselben Ratsmitglieder, wenn du hierher kommst?

 

K: Nein, dieses Mal sind es mehr als sonst. Ich fühle mich demütig, aber sie lächeln mich

 

freundlich an. Sie sprechen nicht wirklich. Das, was sie sagen, geht direkt in meine

 

Gedanken über.

 

R: Kannst du sie durch dich sprechen lassen?

 

K (mit einer merklich weicheren Stimme): „Was möchtest du wissen?“

 

R: Was ist der Sinn der aktuellen Inkarnation von Susanne? Worum geht es dabei?

 

K: „Es geht darum, noch mehr in die Selbstliebe zu gelangen. Sie lebt eine Ehe, die sie

 

nicht glücklich macht. Wenn sie sich liebt, dann wird sie gehen, und es wartet eine neue

 

Liebe auf sie!“

 

R: Susanne möchte gerne einen neuen beruflichen Weg einschlagen, doch das scheint zu

 

stagnieren. Könnt ihr auch etwas dazu sagen?

 

K: „Sie muss erst für sich selbst einstehen. Sich weiter bewegen, vorher ist Bewegung auch

 

auf anderen Ebenen nicht möglich. Danach steht der Verwirklichung ihrer beruflichen

 

Träume nichts mehr im Weg. Sie ist bereits eine Lehrerin in der Geistigen Welt, dies auf

 

der Erde zu leben, wäre längst möglich. Aber noch traut sie es sich nicht zu. Das wird sich

 

ändern, wenn sie das tut, von dem sie längst weiß, dass sie es tun sollte.“

 

R: Ihr meint, sich scheiden zu lassen?

 

K: „Ja. Zurzeit läuft alles auf eine einzige Sache hinaus – Selbstliebe! Auch ihre

 

gesundheitlichen Probleme hängen damit zusammen. Mehr gibt es da zurzeit gar nicht.“

 

R: Wie passt das Leben von Taluga da hinein?

 

K: „Sich an dieses Leben zu erinnern, hilft ihr zu erkennen, wie stark sie wirklich ist. Wie

 

großartig sie bereits viel größere Schwierigkeiten gemeistert hat und dass sie allen Grund

 

dazu hat, stolz auf sich zu sein und auf ihre eigene Stärke zu bauen!“

 

 

Jetzt sagen sie noch, dass ich gut auf mich aufpassen soll und dass sie mich lieben! Es ist

 

Zeit, weiterzugehen.

 

R: Wo geht es denn jetzt hin?

 

K: Arius und ich gehen jetzt dahin, wo ich mir mein aktuelles Leben ausgesucht habe.

 

Das ist ein Ort mit einer Art großen Leinwand. Da sind noch andere Wesen, aber ich kann

 

die nicht sehen. Sie halten sich im Hintergrund, aber strahlen etwas Angenehmes aus.

 

R: Hast du mehrere Leben zur Auswahl?

 

K: Zwei. Ich sehe da noch einen Mann mit einer sehr femininen Energie. Dunkelhaarig,

 

aber dennoch sehr helle Haut. Das wäre in Alaska gewesen. Aber da will ich nicht hin. Dort

 

ist es mir zu kalt. Und wenn ich schon als Mann inkarniere, dann mag ich es auch nicht so,

 

so weich zu sein. Ich bevorzuge starke männliche Körper. Der ist mir zu schwach.

 

Susanne ist zwar auch weich und sanft, aber als Frau ist das ok für mich. Da musste ich

 

nicht lange nachdenken, welchen Körper ich wähle.

 

R: Siehst du das alles auf dieser Leinwand?

 

K: Ja, ich sehe mögliche Ausschnitte von meiner zukünftigen Kindheit als Susanne. Die

 

Eltern werden noch sehr unerfahren sein und tun sich schwer, Liebe zu zeigen. Das wird

 

nicht leicht. Ich muss schon früh damit beginnen, mich selbst zu lieben. Aber ich bringe

 

viel Humor mit und werde meine Eltern oft zum Lachen bringen.

 

R: Und bereitest du dich irgendwie auf diese Inkarnation vor?

 

K: Nein. Ich gehe da recht gelassen an die Sache heran, ruhe mich aber noch ein wenig

 

aus, bevor es losgeht.

 

R: Verabschiedest du dich von deiner Seelengruppe?

 

K: Es ist nicht spektakulär. Die Zeit vergeht hier schneller. Es ist so, als würde ich nur für

 

eine Woche weg sein. Sie klopfen mir noch auf die Schulter und wünschen mir viel Erfolg.

 

R: Gibt es etwas, das du noch machen möchtest, bevor du zur Erde gehst?

 

K: Ich möchte mich noch mit dem Ursprung verbinden, um Kraft zu tanken.

 

R: Du meinst den Ursprung allen SEINS?

 

K: Ja, genau.

 

(nach einiger Zeit der Stille)

 

R: Wie fühlt sich das an?

 

K: Das kann man nicht beschreiben. Es ist nichts und alles zur selben Zeit. Ich bin eins mit

 

allem, da ist keine Trennung.

 

R: Wie war es, als du dich zum ersten Mal aus dieser Urquelle herausbegeben hast?

 

K: Es war ein Gedanke über das SEIN. Es ist schwer zu beschreiben. Von irgendwo kam

 

dieser Gedanke her und dann bin ich da herausgetreten. Es war nicht mein Gedanke und

 

dann doch irgendwie.

 

R: Und was ist dann passiert? Waren da dann andere?

 

K: Ja, da waren dann andere, die mich empfangen haben.

 

R: Bist du dann direkt auf der Erde inkarniert?

 

K: Ja, ich inkarniere nur auf der Erde. Das erste Mal war ein sehr einfaches Leben. Wir

 

haben in Höhlen gelebt. Es ging nur ums Jagen, Essen, Überleben. Noch ein sehr simples

 

Bewusstsein. Fast tierisch.

 

R: Und bist du seither schon oft auf der Erde inkarniert?

 

K: Tausende Male. Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Ich soll jetzt zurückgehen. Ich habe

 

alles erfahren, was es heute für mich zu erfahren gibt.

 

Wie Ihnen vielleicht bereits aufgefallen ist, ist es meistens der Geistführer oder die Seele

 

selbst, welche die Reise in die Geistige Welt für beendet erklären. Würde es nach uns

 

gehen, so würden wir uns wahrscheinlich ewig in der Geistigen Welt aufhalten.

 

So wundert es auch nicht, dass viele erwähnen, dass sie eigentlich nicht so gerne auf der

 

Erde inkarnieren. Doch sind wir auch als Seelen individuell und dieser Widerwille ist nicht

 

bei allein gleichstark ausgeprägt. Ein paar wenige sagen sogar, dass sie sehr gerne

 

inkarnieren, auch wenn diese in der Minderzahl sind.

 

Bezugnehmend auf mein letztes Fallbeispiel möchte ich auch noch etwas zum Thema

 

Selbstmord schreiben.

 

Selbstmord zieht, wie man erkennen kann, kein unweigerliches Verbannen in eine Hölle

 

mit sich, so wie es in vielen Religionen gelehrt wird. Wenn, dann verbannt die Seele sich

 

immer selbst aufgrund von Schuldgefühlen.

 

Das führt mich zu meinem nächsten Fallbeispiel von Klaus, der mich wegen unbestimmter

 

Schuldgefühle aufsuchte und sich in seiner Erinnerung nach seinem Selbstmord in einer

 

Art Zeitschleife befand.

 

Fallbeispiel Nr. 39:

 

R: Beschreibe mir die Situation, in der du dich jetzt befindest.

 

K: Ich sitze in meinem Arbeitszimmer und schreibe etwas. Da liegen Skripten vor mir, die

 

ich durchsehe, dann schreibe ich wieder etwas. Jetzt geht die Tür auf und meine Frau

 

schaut herein. Sie fragt mich, ob ich zum Essen komme. Ich sage „Ja gleich“, schreibe noch

 

fertig und gehe dann rüber. Da ist jetzt ein Esstisch. Wir sind nur zu zweit. Die Kinder

 

essen heute wohl außerhalb.

 

R: Wie geht es dir denn?

 

K: Es geht so einigermaßen. Ich bin oft sehr müde. Das war aber schon immer so. Ich bin

 

schon seit meiner Jugend nicht wirklich gesund. Ich erinnere mich gerade nicht, was für

 

eine Krankheit das ist. Aber mein Vater und mein Bruder hatten das auch. Die sind beide

 

schon tot. Ich arbeite auch viel. Oft bis spät in die Nacht hinein. Ich unterrichte an einer

 

Universität und muss heute noch für die Vorlesung etwas vorbereiten. Das nehme ich sehr

 

ernst. Dennoch wird mir manchmal alles zu viel.

 

R: Das kann ich verstehen. Wie heißt du denn?

 

K: Ludwig.

 

R: Und deine Frau?

 

K: Henriette, aber seit wir die Kinder haben, sage ich auch Mama zu ihr. Sie ist die beste

 

Frau, die ich bekommen konnte. Sie kümmert sich rührend um mich und um die Kinder.

 

Aber dennoch habe ich oft Momente, in denen ich unzufrieden und unglücklich bin. Damit

 

belaste ich sie schon sehr. Ich jammere viel.

 

R: Lass uns doch mal etwas zurückgehen. Was führt denn zu dieser Unzufriedenheit, oder

 

hängt das alles mit deiner Krankheit zusammen?

 

K: Ich bin jetzt circa 15 Jahre alt. Mein Vater kommt früher nach Hause. Eigentlich wollte

 

er zur Arbeit gehen. Er sagt, es geht ihm nicht gut. Ich muss zur Schule und gehe dann

 

weg, und nachdem ich zurückkomme, heißt es, dass er gestorben ist. Ich habe ihn sehr

 

geliebt, das ist ein großer Schock für mich. Er war zwar schon immer krank und hatte

 

regelmäßig diese Schübe, aber das kam jetzt dann doch plötzlich für mich.

 

R: Das tut mir leid, Ludwig. Wie gehst du mit diesem Verlust um?

 

K: Ich weiß, dass er nicht wollen würde, dass meine schulischen Leistungen dadurch

 

abfallen, und ich lerne jetzt umso mehr. Ich will ihn auch im Jenseits stolz machen.

 

R: Wie geht deine Mutter damit um?

 

K: Der geht es auch nicht gut. Sie hat ihn auch sehr geliebt. Sie versucht halt, damit fertig

 

zu werden. Er war beruflich viel unterwegs. Sie ist es zumindest gewohnt, alles alleine zu

 

machen.

 

R: Und dein Bruder? Lebt er zu diesem Zeitpunkt noch?

 

K: Ja, aber der ist ständig krank. Bei ihm ist es schlimmer als bei mir.

 

R: Was ist das für eine Krankheit?

 

K: Eine Lungenkrankheit. Die ist vererbbar. Ich weiß nicht, wie die heißt. Mein Bruder hat

 

sehr an unserem Vater gehangen, und ihm setzt das extrem zu.

 

R: Ist er älter oder jünger als du?

 

K: Wir sind Zwillinge. Er stirbt zwei Jahre nach meinem Vater. Ich habe noch eine

 

Schwester, aber das ist kein so enges Verhältnis. Mein Vater und mein Bruder waren mir

 

am wichtigsten. Mit ihnen konnte ich über die Dinge reden, die mich wirklich

 

interessieren, wie zum Beispiel Wissenschaften.

 

R: Bist du dabei, als dein Bruder stirbt?

 

K: Ja, ich bin die letzten Tage nicht mehr von seiner Seite gewichen. Ich wünschte, ich

 

wäre an seiner Stelle gestorben. Er war der Klügere von uns. Nach seinem Tod verdränge

 

ich meine Gefühle. Ich stürze mich jetzt noch mehr ins Lernen, denn wenn ich die Gefühle

 

zulassen würde, würde ich verrückt werden.

 

R: Das kann ich verstehen. Lass uns einfach wieder ein wenig in der Zeit vorangehen. Wie

 

geht es für dich weiter, Ludwig?

 

K: Oh… mh… uff… Meine Mutter ist gestorben. Ich bin schon verheiratet und habe vier

 

Kinder. Sie war nach all den Verlusten meine größte Stütze. Bis heute. Es ist, als würde ich

 

eine große Unterstützung verlieren. Meine Frau ist natürlich auch da, aber sie kann meine

 

Mutter nicht ersetzen. Gerade hab ich so viele Verpflichtungen. Ich muss für morgen eine

 

wichtige Vorlesung vorbereiten und darf das nicht vernachlässigen. Aber da ist auch noch

 

meine Familie, die Beerdigung. Ich habe das Gefühl, es zerreißt mich.

 

R: Was hält dich davon ab, einen Schritt zurückzutreten und weniger zu arbeiten?

 

K: Da ist so eine innere Unruhe. Ich muss ständig etwas tun. Manchmal spielt die

 

Gesundheit nicht mit, und dann schickt mich der Arzt auf Kur. Danach geht es mir wieder

 

besser, und ich mache weiter wie zuvor. Ich habe einen guten Ruf als Wissenschaftler und

 

muss viele Erwartungen erfüllen. Ich habe immer das Gefühl, dass ich meinen Bruder

 

ersetzen muss. Er war der Begabtere von uns, und das muss ich irgendwie wettmachen.

 

Und mein ältester Sohn ist auch im Alter von 10 gestorben. Es war so dumm. Er ist einfach

 

an einem Kirschenkern erstickt. Warum?

 

R: Oh mein Gott. So viele Verluste!

 

K: Ja. Ich kann auch irgendwie nicht nichts tun. Das fühlt sich nicht gut an. Ich glaube, ich

 

bringe mich in diesem Leben um.

 

R: Oh, gehe mal zu deinem letzten Tag. Was geschieht da?

 

K: Ich bin in einem Hotelzimmer. Die Familie ist an den Strand gegangen, und ich habe

 

gesagt, dass ich nachkomme. Wir sind auf Urlaub, und ich muss in zwei Tagen wieder

 

zurück zu diesen ganzen Verpflichtungen. Ich kann nicht mehr. Ich kann das einfach nicht

 

mehr! Und ich bekomme außerdem oft wenig Luft und habe viele Schmerzen. Ich bin sogar

 

zu müde, um mich von allem zu lösen. Der Gedanke, mich zur Ruhe zu setzen, das fühlt

 

sich so unüberwindbar an. Das ist einfach alles zu viel. Und meine arme Familie. Die

 

leiden doch alle unter mir. Machen sich ständig Sorgen. Jetzt bin ich endlich allein und

 

kann selber entscheiden. Ich kann nicht weiterleben. Es ist unmöglich, weiterzuleben. Es

 

geht einfach nicht mehr! Ich nehme ein Seil und binde es an das Fensterkreuz, dann steige

 

ich auf einen Sessel, lege mir das Seil um den Hals und stoße den Sessel unter mir weg.

 

R: Geht es schnell?

 

K: Ich traue mich nicht, da hinein zu fühlen. Vermutlich länger.

 

R: In Ordnung. Geh mal dahin, wo du den Körper verlässt.

 

K: Das fühlt sich gut an. Der Körper war schon eine große Belastung. Ich sehe meinen

 

Körper da hängen. Das Zimmer ist dunkel. Es ist sehr einfach eingerichtet. Oh, meine

 

jüngste Tochter findet mich. Ich sehe das Entsetzen in ihrem Gesicht. In dem Moment ist

 

es gar nicht mehr leichter. Puh... Ich nehme dieses Entsetzen so stark wahr, als wäre es

 

mein eigenes. Es ist, als würde diese Szene einfrieren. Das fühlt sich an, als würde es

 

jahrelang so andauern. Eingefroren oder wie gefangen in einer Zeitschleife. Immer wieder

 

sehe ich meine Tochter und das Entsetzen auf ihrem Gesicht.

 

R: Gehe mal zu dem Punkt, an dem sich diese Situation verändert.

 

K: Verrückt. Da sind auch so was wie Engel. Aber sie stehen auch wie erstarrt da. Nach

 

einiger Zeit bewegen sie sich und gehen weg. Dann sind auch meine Tochter und der tote

 

Körper plötzlich verschwunden. Ich bin jetzt alleine in diesem Zimmer, aber ich habe dann

 

das Gefühl, weitergehen zu können. Als hätten diese Engel einen Weg aufgemacht für

 

mich. Das Zimmer wird dann heller und die Wände öffnen sich irgendwie. Ich kann dann

 

hinaus ins Freie. Also meine Seele, der Körper ist ja nicht mehr da. Ich schwebe in die

 

Höhe. Ich sehe das Meer und die Landschaft. Es fühlt sich frei an. In den Wolken ist so

 

eine Art „Himmelstür“, da gehe ich hindurch, und da wartet ein Mann auf mich.

 

R: Wie begrüßt er dich denn?

 

K (lacht): Unspektakulär. „Hallo, wie geht’s?“ Dann sagt er: „Hast dir aber ganz schön viel

 

Zeit gelassen. Das wäre nicht notwendig gewesen!“ Er sagt aber auch, dass ich da schon

 

ganz schön was angerichtet habe. Oh, ich erkenne jetzt, dass ich es war, der diese

 

Zeitschleife erschaffen hat. Ich wollte nicht weitergehen. Ich hätte da unten nicht in dieser

 

Starre sein müssen. Ich hatte solch ein schlechtes Gewissen wegen meiner Tochter. Die

 

Engel, die da waren, wollten mir helfen, aber ich habe es nicht zugelassen. Ich konnte mir

 

nicht vergeben. Ich glaube, das kann ich heute noch nicht wirklich.

 

R: Sag mal, worum ging es denn in diesem Leben? Warum musstest du so viel Leid

 

erfahren?

 

K: Es ging darum, Mitgefühl zu entwickeln für Menschen, denen es im Leben und

 

gesundheitlich nicht so gut geht. Das hab ich geschafft. Ich habe heute viel mehr Mitgefühl

 

für andere als in meinen früheren Leben.

 

R: Das ist doch gut! Und jetzt, wo du das weißt, bist du da bereit, dir zu vergeben?

 

K: Ja, ich glaube, das muss ich wohl…

 

Wow, ja es geht – das fühlt sich gut an. Ich habe mir wirklich lange nicht vergeben. Das

 

fühlt sich sehr befreiend an. Puh...

 

In den Jahren meiner Arbeit habe ich bereits viele Menschen in vergangene Leben

 

begleiten dürfen, die mit einem Selbstmord endeten, und eines hatten sie alle gemeinsam:

 

Keine höhere Instanz kam, um die Seele zu bestrafen!

 

Wenn eine Seele vermeintlich „bestraft“ wurde, stellte sie früher oder später fest, dass sie

 

selbst es war, die sich durch ihren Glauben, „Strafe zu verdienen“, an einen unangenehmen

 

Ort begab.

 

Das Schlimmste für einen Selbstmörder scheint allerdings das Leid der Hinterbliebenen zu

 

sein, und meist ist es dieses Leid, das zu einer oft lang anhaltenden Selbstbestrafung

 

führen kann.

 

Eine nicht gelernte Lektion, die für die Seele wichtig war, wird in der Regel in einem

 

späteren Leben einfach wiederholt. Selbstmord kann in Wahrheit also nicht dazu genutzt

 

werden, um vor einem ungelösten Problem zu fliehen, denn bereits im folgenden Leben

 

kann die Seele erneut mit dem gleichen Problem konfrontiert werden. Und wenn nicht im

 

nächsten, dann in einem späteren.

 

Die Seele will lernen, und wird eine Prüfung nicht bestanden, dann tritt sie in der Regel

 

immer wieder an, und das so lange bis die Prüfung bestanden ist.

 

Wer allerdings sein Leben aufgrund einer unheilbaren Krankheit und starker Schmerzen

 

frühzeitig beendet – und ich spreche hier von einem Leben, das ohnehin nur noch wenige

 

Monate gedauert hätte – hat erfahrungsgemäß keine Konsequenzen zu befürchten.

 

Und dann gibt es noch einen weiteren Punkt:

 

Wenn wir in weit zurückliegende Kulturen schauen, finden wir darunter auch einige, in

 

denen ein Selbstmord aus Ehre hoch geschätzt war. Ja, oft wurde sogar auf Menschen

 

herabgeblickt, die sich aus „Feigheit“ nicht in den Freitod begaben, obwohl ihre Ehre

 

eindeutig und unwiderruflich verloren war.

 

Selbstmörder aus dieser Zeit starben somit auch in einem vollkommen anderen

 

Bewusstsein in Bezug auf ihre Tat, und möglicherweise gehörte dies zu den geplanten

 

Erfahrungen dieser Seele. Dies ist allerdings reine Spekulation.

 

Doch erlebte ich auch noch andere Fälle, in denen ein Selbstmord nicht als etwas

 

Negatives erachtet wurde.

 

Beatrice, eine junge Frau, die heute als Tätowiererin arbeitet, suchte mich auf, weil es ihr

 

oft schwerfiel, in ihrem Leben „Nein“ zu anderen zu sagen. Es mag Sie verwundern, wenn

 

ich Ihnen jetzt sage, dass ihre geistige Führung ihr sogar zu ihrem einstigen Selbstmord

 

gratulierte! Auch mich hat dies im ersten Moment ziemlich überrascht, doch wie ich bei

 

dieser Arbeit immer wieder feststellen darf:

 

Die Geschichten sowie die Lektionen unserer Leben sind so vielschichtig wie wir selbst!

 

Wir beginnen unsere Reise wieder im Mutterleib des heutigen Lebens, als ich Beatrice

 

fragte, ob sie lieber als Mann oder als Frau inkarniert.

 

Fallbeispiel Nr. 40:

 

R: Als Mann finde ich es besser. Das ist leichter, weil man freier ist, aber ich musste auch

 

mal wieder als Frau kommen. Ich mache es mir gerne so leicht wie möglich, aber dieses

 

Mal geht das nicht. Ich habe das Gefühl, dieser Körper passt einfach nicht.

 

K: Geh mal in ein vergangenes Leben als Frau und schaue dir an, warum es dir so

 

schwerfällt, Frau zu sein.

 

R: Ich bin drinnen und sehe ein Fenster. Ich liege in einem Bett, bin aber bekleidet. Das ist

 

so ein weiß-blaues Kleid. Es ist geschnürt mit Maschen und Schnüren. Ich bin eine Frau

 

mit langen dunklen Haaren und noch keine 20 Jahre alt.

 

Irgendwas fühlt sich nicht in Ordnung an.

 

K: Bist du krank?

 

R (klingt orientierungslos und verzweifelt): Hm … das Fenster ist klein und es ist sehr

 

hoch oben. Ich weiß nicht, ich fühle mich benommen.

 

K: Geh doch mal weiter zurück, bevor du da in diesem Zimmer bist.

 

R: Ich laufe und hüpfe jetzt durch so einen Korridor. Ich fühle mich gut. Ich bin jetzt etwas

 

jünger als vorher, aber nicht viel. Da sind viele Türen. Ich bin allein.

 

K: Wie heißt du denn?

 

R: Anabel.

 

K: Das ist ein schöner Name. Ist das denn dein Elternhaus, Anabel?

 

R: Ja, das gehört alles uns hier. Aber meine Eltern sind selten zu Hause. Da ist eine ältere

 

Frau, die sich um mich kümmert. Ich liebe sie sehr. Das ist mein Kindermädchen. Ich

 

nenne sie Nanni.

 

K: Hast du Geschwister?

 

R: Nein, ich bin die Einzige. Darum bin ich auch so wichtig. Alle passen auf mich auf und

 

schauen auf mich. Meine Eltern sind adelig, darum sind sie auch viel unterwegs, oft für

 

sehr lange Zeit.

 

K: In welchem Land lebst du denn?

 

R: Hm … ich kann das nicht sagen. Das ist eine weite Landschaft mit vielen Feldern. Da

 

sind Gärten, Obstbäume. Ich war noch nie woanders bis jetzt. Ich höre von den anderen

 

Orten nur durch Erzählungen.

 

K: Verstehe. Und wie geht es dir so in diesem Leben, Anabel?

 

R: Ich bin sehr unbescholten. Keine Sorgen. Der Tagesablauf ist vorgegeben. Das ist

 

einerseits einfach, denn ich muss über nichts nachdenken. Aber ob das das ist, was ich mir

 

so vorstelle, kann ich nicht sagen. Mir ist schon auch oft langweilig, aber Nanni erzählt

 

tolle Geschichten. Das mag ich.

 

K: Lass uns mal einen großen Sprung machen. Geh zu dem Tag, an dem du stirbst, und

 

blicke auf das Leben zurück, um einen größeren Überblick darüber zu haben.

 

R: Jetzt bin ich wieder auf diesem Bett, da, wo ich vorher war. Ich bin ganz traurig.

 

Fürchterlich traurig. Ich lege mich immer wieder auf dieses Bett und schlafe. Ich beende

 

dieses Leben. Ich bringe mich um. Ich habe irgendetwas gegessen. Das war etwas aus dem

 

Garten. Ich habe es gesammelt, denn ich wusste von Nanni, dass das giftig ist. Sie hat mich

 

als Kind immer davor gewarnt, das zu essen. Gerade zweifle ich aber daran, ob das so eine

 

gute Idee war. (atmet sehr schwer)

 

K: Anabel, lass uns jetzt wieder ein wenig in der Zeit zurückreisen und nachsehen, warum

 

du dir in so jungen Jahren das Leben nimmst. 1-2-3 und jetzt.

 

R: Meine Eltern kommen gerade von einer Reise zurück und ich freue mich. Die haben

 

jemanden mitgebracht. Hm … wer ist das?

 

Oh, den soll ich heiraten? Nein – den will ich nicht! Auf gar keinen Fall! Oh nein (weint)!

 

Der soll wieder gehen. Den will ich nicht! Nicht den!

 

K: Gibt es denn einen anderen Mann, den du gerne heiraten möchtest?

 

R: Ja, Hans. Den kenne ich schon, seit ich ein Kind bin. Wir sind zusammen

 

aufgewachsen. Wir haben schon als Kinder gesagt, dass wir eines Tages heiraten wollen.

 

Der wohnt auch in dieser Burg, aber er arbeitet hier. Als Kind musste er noch nicht

 

arbeiten, da haben wir oft miteinander gespielt. Er ist der Sohn von Angestellten. Als Kind

 

habe ich das nie verstanden, warum er auch hier wohnt, aber so ärmlich, während ich ein

 

so schönes Zimmer habe. Für mich war das nie ein Problem. Ich habe ihn einfach sehr

 

gern. Er liebt die Natur und die Tiere, so wie ich. Wir können über alles reden und ich

 

fühle mich beschützt, wenn wir zusammen sind. Nanni weiß, dass ich ihn liebe, sonst

 

erzähle ich es niemandem. Nanni behält es auch für sich.

 

K: Sagst du denn deinen Eltern, dass du diesen anderen Mann nicht heiraten willst?

 

R: Nein, das hat keinen Sinn. Was meine Eltern beschließen, ist einfach so. Ich habe das

 

Gefühl, den zu kennen. Aber nicht aus diesem Leben. Ich habe gerade den Eindruck, dass

 

ich den schon aus einem früheren Leben kenne. Also das ist mir da nicht bewusst, aber

 

jetzt sehe ich es. Ich fühle einfach sofort, dass das ein ganz schlechter Mensch ist, und ich

 

will den hier einfach nicht haben. Ich sehe ihn und ich mag ihn nicht, vom ersten Moment

 

an.

 

Ich habe aber keine Chance. Ich muss den heiraten.

 

K: Und das ist der Grund, warum du dich umbringst?

 

R: Ja, ich bin jetzt wieder in diesem Zimmer. Ich bin so traurig. Ich will Hans das nicht

 

antun, doch ich kann diesen Mann nicht heiraten. Ich weiß, dass ich damit viel Schaden

 

anrichte, aber es geht nicht anders. Diesen Mann zu heiraten, ist ein zu großes Opfer. Das

 

will und kann ich nicht bringen! Ich habe mich entschieden.

 

Ich habe mich vorher noch von den Tieren und dem Wald verabschiedet, sonst von

 

niemandem.

 

Irgendwann schlafe ich einfach ein. Es ist gar nicht so schlimm. Also zumindest im

 

Vergleich dazu, was auf mich wartet, wenn ich es nicht tue.

 

Ich sehe mich dann von oben, wie ich auf diesem Bett liege. Ich sehe sehr friedlich aus.

 

Es ist schade, aber es wäre nicht anders gegangen.

 

K: Empfindest du etwas für den Körper, den du zurücklässt?

 

R: Nein. Der Körper ist mir egal. Ich schaue jetzt nochmals nach Nanni. Die ist sehr

 

traurig. Sie sitzt auf ihrem Stuhl und weint. Das tut mir sehr leid. Ich war wie ihr eigenes

 

Kind. Ich spüre aber, dass sie weiß, warum ich es getan habe. Ich stehe jetzt neben ihr und

 

berühre sie. Ich habe das Gefühl, dass sie das spürt.

 

Jetzt bin ich bei meiner Beerdigung. Da sind viele Menschen. Die, die ich am meisten

 

geliebt habe, stehen alle ganz weit hinten. Meine Eltern stehen vorne. Für die fühle ich

 

nicht viel. Die sind mir irgendwie egal. Die Wichtigsten für mich waren unter den

 

Angestellten. Hans steht ganz hinten bei einem Baum. Er wirkt abwesend. Es geht ihm

 

sehr schlecht. Ich spüre seinen Schmerz und halte Abstand, weil ich glaube, wenn er mich

 

jetzt spüren würde, würde er noch mehr leiden. Ich muss gehen. Er hat noch sein Leben

 

vor sich.

 

Jetzt ist es, als würde ich gerufen werden. Da ist ein Licht weit oben und es ruft mich. Ich

 

höre „Es ist jetzt Zeit“. Dann zieht es mich an. Die Szene unter mir wird immer kleiner und

 

irgendwann ist sie weg. Es fühlt sich an, als würde ein Buch zugeschlagen werden.

 

Erst fühle ich Kälte, dann aber weiß ich, dass eine Etappe abgeschlossen ist.

 

Hm – das ist komisch. Sie ist erfolgreich abgeschlossen. Ich habe erledigt, was ich

 

erledigen musste. Das verstehe ich nicht.

 

K: Das ist interessant. Wie geht es weiter?

 

R: Es wird warm und ich fühle mich wohl. Es wird immer heller und ich werde weiter

 

gezogen. Ich bin zu Hause! Ja – das ist mein Zuhause! Jemand sagt: „Du bist

 

angekommen!“

 

Ich fühle jemanden, aber ich sehe niemanden. Hm, ah – da ist die Führerin meiner

 

Gruppe. Oh (freudig), sie ist im jetzigen Leben meine Mutter!

 

Da sind aber noch andere, ganz viele Lichter. Wir sind sehr viele.

 

Es zieht mich jetzt weiter zu meiner Führerin. Sie leuchtet stärker als all die anderen. Sie

 

begleitet mich schon sehr, sehr lange. Ich spüre so viel Wärme und Herzlichkeit von ihr

 

ausgehen. Sie sagt: „Das hast du gut gemacht!“

 

K: Sagt sie etwas zu deinem Selbstmord?

 

R: Ich habe das Gefühl, dass das richtig so war. Als ich im Sterben gelegen bin, dachte ich,

 

dass es vielleicht doch ein Fehler war, aber jetzt weiß ich, dass das richtig war. Aber wir

 

reden erst noch nicht viel darüber. Ich will mich erst einmal ausruhen und nicht über die

 

Erde nachdenken. Ich inkarniere nicht so gerne. Es ist sehr anstrengend auf der Erde.

 

Allein schon diese Geburt!

 

K: Kannst du mal dahin reisen, wo du später dann mit deiner Führerin deine Inkarnation

 

besprichst?

 

K: Ja, sicher. Sie zeigt mir dann immer auf, was ich falsch gemacht habe. Wo ich mich

 

falsch entschieden habe.

 

Wir sind jetzt in einer schönen Landschaft. Da sind so Wege und die stehen für

 

Entscheidungen, vor denen ich jeweils stand. Ich habe meistens den falschen Weg gewählt.

 

Sie zeigt mir dann, was geschehen wäre, wenn ich den anderen Weg gewählt hätte. Da geht

 

es um mehrere Leben.

 

R: Was sind denn das für falsche Entscheidungen, die du da so triffst?

 

K: Ich wähle irgendwie immer den Weg, an dem ich dann schlussendlich leide.

 

R: Kannst du mir das konkreter erklären, anhand eines Beispiels?

 

K: Ich bin zu selbstlos. Ich habe bis jetzt immer das getan, was die anderen von mir

 

wollten, und keine Rücksicht auf mein eigenes Wohl genommen. Das war als Anabel meine

 

Lernaufgabe.

 

Da habe ich endlich einmal an mich gedacht. Durch den Selbstmord habe ich mich

 

weiterentwickelt. Es war wichtig. Das klingt komisch, aber es gab keinen anderen Weg, um

 

für mich einzustehen. Hätte ich diesen Mann geheiratet, hätte ich wieder ein unglückliches

 

Leben geführt, nur um es anderen recht zu machen.

 

Hm – ich hatte mal ein sehr erfülltes Leben. Das ist schon ziemlich lange her. Da war ich

 

sehr einflussreich und mit der Liebe meines Lebens verheiratet. Ich musste wichtige

 

Entscheidungen treffen. Diese dienten immer dem Wohl meiner Mitmenschen, aber da

 

war es kein Opfer, mir ging es ja selbst gut. Danach habe ich in meinen darauffolgenden

 

Leben auch immer nur an die anderen gedacht, aber da hat es mir kein Glück gebracht. Als

 

Anabel musste ich einen radikalen Schritt wagen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen.

 

Aber das war erst der Anfang. Nein zu sagen, ist immer noch eine wichtige Lektion für

 

mich!

 

Es ist erstaunlich, aber umso länger ich diese Arbeit mache, umso weniger könnte ich

 

sagen, wie sich ein bestimmtes Karma oder eine bestimmte Lernlektion auf unser heutiges

 

Leben auswirkt. Die Unterschiede, „wie“ wir etwas lernen, sind so vielfältig, dass ich jedem

 

Problem, mit dem eine Person zu mir kommt, heute stets mit einer großen

 

Unvoreingenommenheit begegne.

 

Demnach ist es nicht so, wenn zum Beispiel ein Klient erzählt, er hätte ein Problem damit,

 

Geld anzunehmen, dass ich sofort schlussfolgere: „Aha, der hat bestimmt in einem seiner

 

vergangenen Inkarnationen ein Armutsgelübde abgelegt und muss jetzt lernen, dass

 

auch Geld nichts Böses ist!“. Nein – Das wäre viel zu einfach!

 

Noch heute werde ich immer wieder überrascht von so mancher Geschichte, wie eben auch

 

jener von Beatrice, deren Selbstmord einen wichtigen Entwicklungsschritt für sie

 

darstellte.

 

 

 

 

© Shari D. Kovacs
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